Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Tourismuspolitik, denn der Tourismus hat nicht nur positive, sondern auch negative Auswirkungen auf unsere Kieze. Klar ist, der Tourismus schafft Arbeitsplätze und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Aber wir müssen ihn steuern und aktiv gestalten – sonst verlieren wir unsere lebenswerten Kieze mit den vielen kulturellen Projekten, den kleinen Läden, den bunten Cafés oder der vielfältigen Clubkultur. Statt Besucher*innenrekorden und Ballermann brauchen wir einen stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus. Auch deshalb ist kritisch zu hinterfragen, ob das bisherige Stadtmarketing in seiner jetzigen Form noch zeitgemäß ist. Zwar hat die Corona-Pandemie den Städtetourismus fast zum Erliegen gebracht, er wird jedoch auch wieder zunehmen. Wir müssen die Zeit jetzt nutzen, um die Probleme anzugehen und den Tourismus neu aufzustellen. Das neue Tourismuskonzept vom Senat ist ein erster Schritt. Es bleibt aber noch viel zu tun. Längst überfällig ist eine berlinweite Steuerung von neuen Hotelstandorten. Einen Wildwuchs darf es nicht mehr geben. Neue Hotels müssen sich an der Stadtverträglichkeit und der Zahl bereits bestehender Betriebe orientieren. Bereits geplante Standorte gehören auf den Prüfstand. Denn die Flächen können wir sinnvoller nutzen – z.B. für neue Schulen oder Kitas. Genauso müssen gastronomische oder touristische Monostrukturen in unseren Kiezen verhindert werden. Hier brauchen wir endlich richtige Steuerungsinstrumente. Berlin nimmt jährlich viele Millionen aus der City-Tax ein. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Geld zukünftig in die Bezirke zurückfließt und dort z.B. für mehr öffentliche Toiletten oder eine bessere Pflege der Grünflächen genutzt werden kann.
Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, dass der Senat die Bewohner*innen in den Mittelpunkt der Tourismuspolitik stellt und einbindet. Die Einführung eines Bürger*innenbeirats zu Tourismusfragen ist hierbei ein wichtiger Schritt. Es wird Zeit, dass er die Arbeit aufnimmt. Die Beteiligung muss aber noch weiter ausgebaut werden.

Foto: Carolina Munemasa (Unsplash)